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Bericht der Pressekonferenz: Kultur hat Platz für Alle!

Pressekonferenz: Kultur hat Platz für Alle!
🏢 Büro
Info- und Anmeldestelle Tiergarten
Adresse: Pohlstraße 91, 10785 Berlin
Hinweis: Im Büro des Stadtteilverein Tiergarten
Zugang: Zugang barrierefrei. Rollstuhltoilette vorhanden.
Kultur hat Platz für Alle! – Kulturelle Teilhabe für Menschen in Wohnungsnot stärken

Pressekonferenz von KulturLeben Berlin am 11. September 2026

Kultur schafft Begegnungen, eröffnet neue Perspektiven und ermöglicht Gemeinschaft. Doch für Menschen, die wohnungslos oder obdachlos sind, ist der Zugang zu kulturellen Angeboten häufig mit erheblichen Hürden verbunden. Mit dem Projekt „Kultur hat Platz für Alle! – Kulturelle Teilhabe für wohnungs- und obdachlose Menschen“ möchte KulturLeben Berlin diese Barrieren abbauen und mehr Menschen den Zugang zum kulturellen Leben ermöglichen.

Bei einer Pressekonferenz am 11. September 2026 stellte KulturLeben Berlin die Ziele, Herausforderungen und geplanten Maßnahmen des Projekts vor.

Eine große Lücke beim Zugang zu Kultur

KulturLeben Berlin vermittelt kostenfreie Eintrittskarten für Kulturveranstaltungen und erreicht mit seinem Angebot knapp 30.000 Menschen unter der Armutsgrenze. Trotz langjähriger Kooperationen mit sozialen Einrichtungen werden wohnungslose und obdachlose Menschen bislang nur in geringem Umfang erreicht. Der Paritätische Wohlfahrtsverband schätzt, dass in Berlin rund 50.000 Menschen von Wohnungsnot betroffen sind.

Dabei ist kulturelle Teilhabe weit mehr als Freizeitgestaltung. Ein Konzertbesuch, ein Theaterabend oder ein Museumsbesuch kann Freude schenken, neue Interessen wecken und Menschen ermöglichen, sich als Teil der Gesellschaft zu erleben. Kulturelle Teilhabe sollte deshalb nicht davon abhängen, ob jemand eine eigene Wohnung hat.

Das Angebot eines kostenlosen eintrittsTicket reicht aber nicht aus

Die Diskussion machte deutlich, dass der Zugang zu Kultur für Menschen in Wohnungsnot mit besonderen Herausforderungen verbunden ist. Wer täglich nach einem Schlafplatz, Essen, Waschmöglichkeiten oder einem sicheren Ort für persönliche Gegenstände suchen muss, hat oft kaum Zeit und Kraft, einen Ausflug zu organisieren.

Hinzu kommen bürokratische Hürden, fehlende Dokumente, eingeschränkte Mobilität und Schwierigkeiten bei der telefonischen oder digitalen Erreichbarkeit. Auch Sprachbarrieren spielen eine Rolle: Ein Teil der Betroffenen spricht wenig oder kein Deutsch. Besonders gefragt sind daher Vermittlungsmöglichkeiten auf Polnisch und in weiteren ost- und zentraleuropäischen Sprachen.

Nicht zuletzt braucht es Vertrauen. Menschen, die auf der Straße leben, sind häufig mit Unsicherheit, Diskriminierung, Gewalt und belastenden Erfahrungen konfrontiert. Da Wohnungsnot im Alltag mit Scham verbunden ist, werden viele Betroffene vor den großen Häuser der “Hochkultur” verunsichert, und haben das Gefühl, nicht zu gehören. Deshalb muss der Zugang persönlich, verständnisvoll, fördernd und möglichst unkompliziert gestaltet werden.

Vertrauen schaffen und neue Wege eröffnen

Das Projekt setzt auf eine engere Zusammenarbeit mit Einrichtungen der Wohnungsnotfallhilfe. Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter sowie andere vertraute Bezugspersonen können Menschen auf das Angebot aufmerksam machen und sie bei der Anmeldung oder beim Besuch einer Veranstaltung unterstützen.

Geplant sind verschiedene Formen der Zusammenarbeit: Einrichtungen können Interessierte anmelden, regelmäßig Anmeldestellen anbieten oder Gruppenkontingente nutzen und Menschen zu Veranstaltungen begleiten. KulturLeben Berlin möchte außerdem mit kleinen, kostenfreien Konzerten direkt in sozialen Einrichtungen präsent sein. So können erste Begegnungen entstehen, ohne dass die Menschen zunächst einen ihnen unbekannten Kulturort aufsuchen müssen.

Weitere Maßnahmen umfassen die Weiterentwicklung der Anmelde- und Vermittlungsprozesse, die Sensibilisierung von Mitarbeitenden und Ehrenamtlichen sowie mehrsprachige Informationsmaterialien. Ziel ist es, Hürden abzubauen und einen Zugang zu schaffen, der den Lebensrealitäten der Betroffenen gerecht wird.

Kultur als Raum für Begegnung und Gemeinschaft

In der Pressekonferenz wurde auch die Frage diskutiert, wie kulturelle Angebote langfristig in den Alltag sozialer Einrichtungen integriert werden können. Regelmäßige, kleinere Veranstaltungen können Vertrautheit schaffen und Menschen dazu ermutigen, weitere Kulturangebote wahrzunehmen. Gleichzeitig benötigen solche Kooperationen klare Zuständigkeiten und müssen die begrenzten personellen Ressourcen der Einrichtungen berücksichtigen.

Besonders wichtig ist, Begegnungen zwischen von Wohnungsnot betroffenen und nicht betroffenen Menschen zu ermöglichen. Gemeinsame kulturelle Erlebnisse können Vorurteile abbauen und zeigen, dass Menschen unabhängig von ihrer Wohnsituation Interessen, Talente und das Bedürfnis nach Gemeinschaft teilen.

Gemeinsam nachhaltige Strukturen aufbauen

Das von Aktion Mensch geförderte Projekt wird von Maximilien da Cruz geleitet. KulturLeben Berlin möchte damit langfristige Strukturen entwickeln, um wohnungslose und obdachlose Menschen besser zu erreichen und ihre kulturelle Teilhabe nachhaltig zu stärken.

Dafür braucht es soziale Einrichtungen, Kulturschaffende, engagierte Ehrenamtliche und Kulturorte, die bereit sind, neue Zugänge zu ermöglichen. Entscheidend ist, kulturelle Teilhabe nicht als zusätzliche Aufgabe am Rand, sondern als wichtigen Bestandteil eines selbstbestimmten und gesellschaftlich eingebundenen Lebens zu verstehen.

Kultur hat Platz für Alle – unabhängig davon, wo und wie Menschen leben.

Förderer des Projekts: